|
|
 |
|
Für Sie gelesen |
 |
|
Tannenbäume
|
|
|
Wolf Hockenjos
Tannenbäume
Eine Zukunft für Abies alba
DRW-Verlag Weinbrenner
Leinfelden-Echterdingen, 2008
231 Seiten, 160 Farbfotos, gebunden,
24,90 €, ISBN 978-3-87181-723-6
Soweit ist es gekommen: Die Schwarzwälder kennen eine ihrer früheren Hauptbaumarten nicht mehr. Sie trinken Fichtenzäpfle als Tannenzäpfle in fichtengeschmückten Wirtschaften, die „Tanne“ heißen. Und, Hand aufs Herz: Wie viele Imker stellen ihre Bienen auf der Suche nach Tannentracht unter Fichten ab? Wer sie dann aber einmal kennengelernt hat, die Tanne, der registriert
immer wieder, wie es um ihren Bestand bestellt ist. Oft nicht zum Besten.
Der Förster a. D. und engagierte Naturschützer Wolf Hockenjos kämpfte ein Berufsleben lang für Erhalt und Fortentwicklung des Tannenbestandes im Schwarzwald. Das Buch führt aber weit über die Region hinaus in deutsche und europäische Tannen-Landschaften. Dabei werden nicht nur Fragen der Biologie und Waldwirtschaft beleuchtet. Das Thema wird bis in kulturelle und geschichtliche Dimensionen vertieft.
„Tannenbäume“ zeigt eine Vielzahl eindrucksvoller Fotografien von Charakterbäumen, die man besonders zu schätzen weiß, wenn man den einen oder anderen von ihnen schon selbst kennengelernt und zu fotografieren versucht hat. Dabei haben wir es hier nicht mit der üblich gewordenen Massenware von Bildbänden zu tun, die
neben „schönen“ Fotos kaum Informationsgewinn bringen.
Es ist natürlich kein Imkerbuch, aber der Tannenhonig wurde nicht vergessen. Wenn auch die Ansicht, ohne Waldameisen kein Honigtau, heute etwas anders bewertet wird, stuft Hockenjos Ameisen wie Lachniden richtig als „nützliche Haustiere“ der Tannen ein. Was den Imker aber brennend interessieren dürfte: Warum soll ein Waldbauer und Förster heute überhaupt noch Tannen pflanzen, die dann doch nur als Rotwildfutter herhalten müssen? Die Tanne eignet sich auch nicht als Plantagenbaum, sondern bedingt eine naturnahe Waldbewirtschaftung. Dazu liefert das vorliegende Buch spannende Argumente, die auch dem Imker in seinem Werben für die Tanne weiterhelfen. Dass auch noch in kommenden Jahrhunderten Tannenhonig geschleudert werden kann, wird den Entscheidungsträgern als Grund alleine nicht ausreichen. Deshalb sollten möglichst viele Imker „Tannenbäume“ lesen.
Armin Spürgin
|
|
|
|