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Frage & Antwort
10/2009: Helläugige Drohnen, wie kommt das?
 
Frage:
Kürzlich entdeckte unser Imkerfreund in einem normalen Bienenvolk mehrere „blondäugige Gesellen“. Wie kommt so etwas zustande? Hat es Auswirkungen auf das Verhalten des Bienenvolkes, das uns auch etwas merkwürdig vorkam? Wir konnten uns keinen Reim darauf machen!
Georg Sers
An der Linde 5, 78464 Konstanz


Antwort:
Bei den im Bild gezeigten Drohnen-Augen handelt es sich um Mutanten, die nicht gerade selten vorkommen. Die Augenfarben werden, wie Prof. Dustmann bereits 1968 nachweisen konnte, über mehrere Biosynthesestufen aus verschiedenen Komponenten (Ommochromen) bis zu der normalen dunkelbraunen Farbe aufgebaut. Ist eine oder mehrere dieser Stufen durch einen Gendefekt blockiert, so entstehen weiße, hell-cremefarbige, olivgrüne oder rosa bzw. rote Augen. Erste Beschreibungen von Augenfarbenmutanten stammen von Michailoff aus dem Jahr 1930. Insgesamt sind mittlerweile mehr als 20 Augenfarbenmutanten bekannt. Bei den gezeigten Drohnen handelt es sich vermutlich um die Mutante „chartreuse“, die erstmals 1953 von Laidlaw und Kerr beschrieben wurde. Inwieweit Drohnen mit solchen Augenfarben-mutationen in ihrer Flugfähigkeit eingeschränkt sind, ist nicht bekannt. Weißäugige Drohnen oder Bienen sind nachgewiesenermaßen nicht flugfähig. Sie stürzen orientierungslos zu Boden.
Alle Augenfarbenmutanten treten nicht in Erscheinung, wenn das Individuum noch eine normale sogenannte „Wildtyp“-Kopie (Allel) des gleichen Gens besitzt. Man sagt dazu, die Mutante ist rezessiv. Das bedeutet auch, dass die Mutationen bevorzugt bei Drohnen auftreten, da diese natürlicherweise nur eine Kopie jedes Gens besitzen (sie sind haploid). Bei (diploiden) Arbeitsbienen treten sie nur auf, wenn beide Kopien des jeweiligen Gens die Mutante aufweisen.
Neben den Augenfarbenmutanten gibt es auch zahlreiche andere genetisch bedingte Veränderungen in Körperbau und Körperfarbe. Die bekannteste Körperfarben-Mutante ist wohl „cordovan“, die lederbraune Körperfarbe, die früher zum Test von Belegstellen eingesetzt wurde. Cordovan-Königinnen haben nur dann cordovan-Nachkommen, wenn sie nur von cordovan-Drohnen begattet werden. Sobald auch Wildtyp-Drohnen unter den Gatten sind, treten auch Nachkommen mit normaler Körperfarbe auf. Für den Belegstellentest bedeutet dies eine umfangreiche Vorarbeit, denn es müssen nicht nur reinerbige cordovan-Königinnen zur Begattung aufgestellt werden, auch die Vatervölker dürfen nur cordovan-Drohnen enthalten, also die 4a-Königin muss schon eine reinerbige cordovan-Königin sein. Außerdem müssen alle Bienenvölker im gesamte Schutzgürtel entweder auf cordovan-Königinnen umgeweiselt werden, oder der Schutzgürtel muss bienenfrei gemacht werden. Nur so kann ein Einfluss von Drohnen aus der Umgebung rund um die Belegstelle erkannt werden. Heutzutage werden solche Belegstellenkontrollen durch molekularbiologische Analysen vorgenommen. Weitere Körperfarbenmutanten sind „albino“ (Albino) oder auch „black“ (schwarz), darüber hinaus gibt es noch Mutanten der Körperbehaarung wie „hairless“ (haarlos) oder reduzierte Flügelgröße wie „diminutive“ (reduzierte Flügelgröße) oder „rudimental“ (Flügelstummel), die meist Flugunfähigkeit zur Folge haben.
Beeindruckend sind auch die Augenformmutanten wie „cyclops“ – also ein Zyklopenauge vorn auf der Stirnseite – oder „facetless“, d. h. Augen ohne oder mit sehr verminderter Anzahl an Facetten.
Bei all diesen Mutationen handelt es sich um Gendefekte, die zu einem veränderten Stoffwechsel während der Entwicklung aus dem Ei bis zum fertigen Individuum führen. Davon zu unterscheiden sind entwicklungsbedingte Besonderheiten, die beispielsweise dadurch entstehen, dass sich nicht nur ein diploider (befruchtet oder auch nur mit einem anderen Vorkern verschmolzener) Kern weiterentwickelt, sondern gleichzeitig ein haploider Kern, sodass ein „Gynandromorph“ entsteht, d. h. ein Individuum mit teils weiblichem und teils männlichem Gewebe. Auch solche ungewöhnlichen Bienen wurden bereits mehrfach entdeckt und von mehreren Autoren im Einzelnen beschrieben.
Dorothea Kauhausen-Keller

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