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Frage & Antwort
12/2009: Bienenweide ohne Bienen?
 
Frage:
Angeregt durch den Bericht „Blütenmeer nicht nur für Insekten“ im November 2008 habe ich einen Landwirt auf das dort vorgestellte Förderprogramm hingewiesen. Groß war meine Freude, als er mir im Frühjahr dann tatsächlich mitteilte, dass er heuer 6 ha mit Veitshöchheimer Bienenweide bestellen wird. Ich selbst habe auf einer eigenen Fläche ebenfalls 0,5 ha angebaut.
Doch leider stellten sich die von mir erhofften paradiesischen Zustände nicht ein. Obwohl 5,5 ha dieser Flächen im Umkreis von max. 1 km um meinen Bienenstand liegen und die restliche Fläche auch nur ca. 1,5 km entfernt ist, musste ich, genau wie landauf/landab bejammert, ab Mitte Juni zufüttern, um meine Bienen nicht verhungern zu lassen. Was den Eintrag von Blütenstaub betrifft, fiel mir auf, dass dieser heuer auffallend geringer war als in den Vorjahren.
Ich verhehle nicht, dass ich mich oft und gerne auf diesen Flächen aufhielt. Bienen allerdings habe ich dabei kaum zu sehen bekommen, obwohl im besagten Radius mehr als 20 Bienenvölker (davon 12 eigene) stehen. Ich frage mich daher, ob diese Saatgutmischung tatsächlich eine gute Bienenweide darstellt und sich das investierte Geld für die Bienen überhaupt lohnt.
Erich Modlmair
ModlmairE@augsburg.lsv.de


Antwort:
6,5 ha Veitshöchheimer Bienenweide und kein Erfolg? In der Tat, diese Frage muss geklärt werden.
Keine Bienen in der Bienenweide? Der Imker gibt an: 6,5 ha Aussaatfläche und 20 Völker. Wenn man davon ausgeht, dass etwa ein Drittel der Bienen eines Volkes Sammelbienen sind, errechnen sich bei einer Volksstärke von 50.000 Bienen etwa 4,5 Bienen je m˛. Diese Bienen halten sich aber nicht ständig in der Fläche auf, sie fliegen auch in den Stock zurück und legen Ruhepausen ein. Damit bleiben nur etwa 1 bis 2 Bienen je m˛ übrig. Da die Bienenweidefläche mit ihrem Artenreichtum reich strukturiert ist, werden diese wenigen Bienen kaum auszumachen sein. In Standnähe dürfte der Besatz mit Bienen noch relativ groß sein, in den Randbereichen mit größeren Abständen zum Stand fällt der Bienenbesatz deutlich niedriger aus; hier dürfte kaum mehr Bienenflug festzustellen sein! Im Übrigen: Bei einem Flugradius der Bienen von etwa 3 km ist davon auszugehen, dass ein erheblicher Teil der Flugbienen auch außerhalb der angesäten Bienenweidefläche gesammelt hat.
Warum war der Honigertrag so niedrig?
6,5 ha sind eine große Fläche, aber sicher nicht ausreichend, um 20 Völker üppig zu ernähren. Es kommt hinzu, dass der Standort der Völker im südbayerischen Moränengebiet liegt, in dem unter einer Humusschicht von oft nur 10 – 20 cm reiner Kies kommt, der Wasser sehr schnell abfließen lässt; Ähnliches ist in den ebenen Flächen im dortigen Lechbereich mit Schotterböden zu beobachten. Damit ist die Bodenfeuchtigkeit gering, was sich in trockenen Jahren schnell auf die Nektarergiebigkeit von Blütenpflanzen auswirkt – beim Rapsanbau ist in diesen Bereichen so etwas immer wieder zu beobachten (und zu beklagen). Sind die Böden mit Lehm durchsetzt, sind sie zwar weniger anfällig gegen Trockenheit, doch gab es gerade in diesem Jahr im Landkreis Augsburg ab Anfang August für längere Zeit kaum Niederschläge, damit fehlte den Pflanzen das Wasser für eine gute Nektarproduktion.
Sind die Bienen wirklich ganz leer ausgegangen? Wären die Felder mit Getreide oder Kartoffeln bestellt worden, hätte es überhaupt keine Nahrung für Bienen gegeben. So war aber immerhin eine Grundversorgung mit Nektar und Pollen möglich, über die sich, nebenbei erwähnt, auch Hummeln, Wildbienen und Schmetterlinge gefreut haben dürften.
Dr. Friedgard Schaper
Fachzentrum Bienen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
An der Steige 15, 97209 Veitshöchheim

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