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Frage & Antwort
02/2010: Warum wird ein Karbolineumanstrich noch empfohlen?
 
Anfrage:
Als Neueinsteiger ist mir im Buch „Der Wochenend-Imker“ von Karl Weiß ein wirklich gravierender Mangel aufgefallen, der so nicht stehenbleiben darf, da er mit Sicherheit für Biene und Mensch äußerst gesundheitsschädlich ist: Auf Seite 40 wird als Außenanstrich der Erlanger Magazinbeute Karbolineum empfohlen. Es ist sogar davon die Rede, Futter-Wanderzargen hierin zu tauchen.
Ich halte dies für sehr gefährlich, wenn nicht gar tödlich für unsere Bienen. Im Internet findet man: … „Karbolineum ist ein braunrotes, wasserunlösliches Holzschutzmittel und wird aus Steinkohleteerprodukten hergestellt. Es ist desinfizierend und fäulnishemmend und wurde aus diesem Grund für Eisenbahnschwellen, Telegraphenmasten und Zaunpfähle als abdichtendes Isoliermittel verwendet. Karbolineum ist stark hautreizend, karzinogen, die Dämpfe greifen die Atemwege an und wirken narkotisierend. Seit 1991 in der Teerölverbots-VO nicht mehr für die Verwendung zugelassen. Altholz, das mit Karbolineum behandelt wurde, ist als Sondermüll zu entsorgen.“ Dies sagt alles über die Gefährlichkeit dieses Umweltgiftes. Ich meine, dieses Kapitel muss unbedingt korrigiert werden, um gerade den Anfänger zu schützen!
Volker Rudolf, muvrudolf@t-online.de

Antwort:
„Der Wochenend-Imker“ ist ein Lehrbuch, das wohl Tausende von Imkern erfolgreich in die Bienenhaltung eingeführt hat. Allerdings, und das hat Herr Rudolf ganz richtig erkannt, müsste das Buch auf jeden Fall überarbeitet werden. Was vor dreißig Jahren (Erstauflage 1980) einmal aktuell war, muss heute nicht mehr alles richtig sein.
Natürlich sollte man heutzutage für einen Beutenanstrich nur noch bienenungefährliche Mittel verwenden. Karbolineum wurde früher in der Imkerei durchaus verwendet, so auch zum Anstreichen von Bienenhäusern und Freiständen. Wenn wir in die imkerliche Vergangenheit zurückblicken, sehen wir, dass schon mehr aus der gängigen Praxis herausgenommen wurde. So hat z. B. Prof. Zander noch den Karbollappen zur Bienenbehandlung verwendet, wie in seinen Büchern und auch in einem Film zu sehen ist. Man ahnte damals auch nichts von der Gefährlichkeit von Paradichlorbenzol, dem Imkerglobol, zur Wachsmottenbekämpfung usw.
So wird auch dieser heute nicht mehr zeitgemäße Holzschutz aus dem „Wochenend-Imker“ verschwinden. Dabei gibt es noch mehr, was den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden müsste. Ich werde mich mit Herrn Dr. Weiß darüber abstimmen und mich dieser Aufgabe annehmen. Ich weiß, dass Dr. Weiß einer Neuauflage positiv gegenübersteht. Es wäre schade, wenn dieses Buch vom Markt genommen würde, denn die Arbeitsanleitungen sind sehr gut durchdacht – sie gründen schließlich auf einem ganzen Berufsleben an imkerlicher Erfahrung, auch an Erfahrung mit Anfängerlehrgängen.
Dr. Friedgard Schaper
friedgard.schaper@lwg.bayern.de

Bem. der Redaktion: Wir haben diesen Hinweis auch an den KOSMOS-Verlag zur Information weitergeleitet.

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