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Praxisfragen
02/2012: Kann man im Winter füttern?
 
Frage:
Bei der Varroa-Winterbehandlung stellten wir fest, dass Völker verendet waren. Kann es sein, dass sie verhungert sind, denn die Waben waren leer? Auch andere Völker schienen geringe Futterreserven zu haben? Was kann man tun? Kann man Futterwaben zuhängen? Oder kann man zu dieser Jahreszeit zufüttern, um sie zu retten?
Gleichlautende Anfragen von mehreren Lesern

Antwort:
Bei einem verhungerten Volk stecken tote Bienen in den Zellen. Es liegen zudem wenige mit ausgestrecktem Rüssel unten am Boden. Dies kann auch geschehen, wenn noch Futter im Stock ist, aber die Bienentraube den Kontakt zum Futter verliert, weil die Bienen z. B. Brut wärmen oder mangels Bienenmasse den Übergang zur Wabengasse nicht schaffen (beispielsweise schwacher Einräumer im Querbau).
Es könnte aber auch sein, dass die Völker durch die Varroamilbe eingegangen sind und die Vorräte geräubert wurden. Hier findet man häufig verlassene Brut, viele Wabenkrümel auf dem Beutenboden, und die Zellenränder, wo sich das Futter befand, sind ausgefranst. Außerdem liegen im Gemüll meist viele Milben, und in zahlreichen Brutzellen befinden sich im oberen, hinteren Drittel weiße Kotflecken der Milben.
Mangel geht gar nicht!
Sofern auch nur der Verdacht besteht, dass Futter knapp oder bereits aufgebraucht ist, muss gehandelt werden. Einen Hinweis erhält man, indem man die Beute hinten leicht ankippt.
Die beste Lösung sind natürlich Futterwaben. Die kann man jederzeit, auch bei Frost, zuhängen. Man sollte lediglich etwas umsichtig und erschütterungsfrei arbeiten, indem man außerhalb des Bienensitzes leere Waben entnimmt und die Futterwaben links und rechts direkt an den Bienensitz zuhängt. Bei unmittelbarer Gefahr des Verhungerns sollte man eine Leerwabe mit handwarmer dickflüssiger Zuckerlösung (3 : 2, Zucker/Wasser oder Futtersirup) anfüllen und dazuhängen. Man kann auch eine Zuckerlösung (3 : 2) oder Fertigfuttersirup in eine Futtertasche füllen und diese direkt an den Bienensitz hängen. Damit die Bienen dies wahrnehmen, träufelt man eine Spur von der Wabentasche aus zum Bienensitz hin.
Langfristig versorgen
Solche Notfütterungen bzw. 1 – 2 Futterwaben reichen natürlich nicht lange. Je nach Volksstärke und Brutstand vielleicht einen Monat. Nicht brütende Völker benötigen je Monat etwa 1 kg Futter, brütende Völker um die 3 kg. Dieser Bedarf muss bis zum Anschluss an eine sichere und nennenswerte Nektartracht abgedeckt werden, d.h. je nach Region bis Ende April. Zur Fütterung eignen sich besonders gut Futtertaschen, die mit dickflüssiger, handwarmer Zuckerlösung gefüllt und an den Bienensitz gerückt werden. Warme Futterlösung immer abends kurz vor Dunkelwerden geben, damit keine Bienen ausfliegen! Eine weitere Alternative sind die im Fachhandel erhältlichen 2,5-kg-Apiinvert-Beutel. Sie werden oben auf die Rähmchen gelegt und mit ein paar Nadelstichen oberhalb des Bienensitzes perforiert.
Lieber zu viel als zu wenig!
Eine Fütterung im Winter ist immer eine absolute Notmaßnahme mit unsicherem Ausgang. Besser ist es, rechtzeitig und reichlich zu füttern (einräumig: 14 – 16 kg, zweiräumig: 18 – 22 kg), wobei zu beachten ist, dass die eingefütterte Menge nicht unbedingt den Wintervorrat ergibt. Zum einen werden in einem trachtarmen Herbst je Brutmonat ebenfalls um die 3 kg Futter schon wieder verbraucht. Zum anderen gibt es neben einer offensichtlichen Räuberei auch die stille Räuberei, die man nicht wahrnimmt. Eine unerlässliche Aufgabe eines verantwortungsvollen Bienenhalters ist es deshalb, Ende August/Anfang September alle Völker nochmals zu kontrollieren (durchzuwiegen), um fehlende Futtervorräte zu erkennen und gegebenenfalls zu ergänzen.
Weiterhin wichtig ist: Mitte Februar, spätestens Anfangs März, zur Zeit der zunehmenden Bruttätigkeit, werden die Völker ebenfalls ganz kurz, wie oben beschrieben, auf ausreichenden Vorrat kontrolliert. Bei Bedarf kann man auch dann noch Futterwaben umhängen.
Merke: Lieber im Frühjahr 2 – 3 Futterwaben entfernen, als im Jahresverlauf irgendwann 1 Pfund Futter zu wenig drin zu haben!

Bruno Binder-Köllhofer
Fachberater für Bienenzucht
Bruno.Binder-Koellhofer@llh.hessen.de

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