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Imker fragen Experten |
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Leistungsdifferenzen in einem Volk
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Frage: Im Jahr 2000 hatte ich ein Bienenvolk, dessen Honigertrag unbefriedigend war. Im Spätsommer wollte ich es umweiseln, kam jedoch nicht dazu. Im letzten Jahr war dieses Volk nun plötzlich eines der besten.
Wie kann man sich eine derartige Leistungssteigerung erklären? Bekanntlich wird die Königin von mehreren Drohnen begattet. Könnte es sein, dass sich die Spermien in der Samenblase der Königin nicht vermischen und dann immer nur einzelne Partien der verschiedenen Drohnen zur Befruchtung gelangen? So jedenfalls könnte man sich vielleicht erklären, warum derartig große Leistungsunterschiede in den beiden Jahren zu beobachten waren.
Reinhold Fath, Gässelweg 8, 69469 Weinheim
Antwort: Die von Ihnen beobachtete Leistungsdifferenz im Vergleich der beiden Jahre ist kein Einzelfall. Jeder Züchter, der sich intensiv mit Leistungsbeurteilung und Zuchtauslese beschäftigt, kennt dieses Phänomen.
Inzwischen ist unzweifelhaft belegt, dass die Spermien der etwa 15 bis 20 Drohnen, mit denen sich eine Königin unter günstigen Verhältnissen paart, nach der Einwanderung in die Samenblase gleichmäßig durchmischt werden und über die Lebensdauer der Königin hinweg in nahezu konstanter Proportion zum Zuge kommen. Neuere Untersuchungen hierzu basieren auf der genetischen Vaterschaftsanalyse, die eine exakte Zuordnung jeder untersuchten Arbeiterin zu einem bestimmten Paarungspartner ihrer Mutter ermöglicht (Lit.: Haberl, M., Tautz, D. (1998).
Eine genetische Veränderung des Volkes von einem Jahr zum anderen scheidet daher als Erklärung für die von Ihnen beschriebene Beobachtung aus.
Die Ursache ist vielmehr in äußeren Faktoren, etwa einem starken Verflug zwischen Nachbarvölkern oder Bienenverlusten durch Vergiftung oder Krankheiten, zu suchen. Manchmal sind derartige Einflüsse für den Imker kaum zu erkennen, wie etwa eine unterschiedliche Virusbelastung der Völker.
Züchter sprechen in diesem Zusammenhang von der so genannten Erblichkeit oder Heritabilität eines bestimmten Merkmals. Diese liegt für die Honigleistung in einer Größenordnung von 0,15. Das bedeutet, dass Unterschiede im Honigertrag verschiedener Völker in der Regel nur zu etwa 15 % auf genetischen Unterschieden basieren und zu etwa 85 % durch Standort, Kasten, Imker, Krankheiten u. a. nicht vererbbare Effekte verursacht werden. Wenn dennoch eine gezielte Verbesserung von Erbanlagen erfolgen soll, dann darf sich der Züchter nicht allein am Einzelvolk orientieren. Er muss die Leistung möglichst vieler Geschwisterköniginnen und verwandter Völker berücksichtigen, wie dies im Rahmen einer zentralen Zuchtwertschätzung erfolgt.
Dr. Ralph Büchler
HDLGN Bieneninstitut Kirchhain
Erlenstraße 9, D-35274 Kirchhain
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