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Imker fragen Experten |
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Warum gerade Primorski-Bienen?
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Frage: Mein Imkerfreund stammt aus Kirgisien (Russland), er wohnt seit etwa 10 Jahren mit seiner Familie hier im Saarland.
In Russland war er Berufsimker und bearbeitete mit seinem Team im Schnitt 1.000 Bienenvölker. Als ich ihm den Bericht über Primorski-Bienen zeigte, war er nicht nur erschrocken, sondern entsetzt darüber, dass die Institute gerade die Primorski-Bienen für ihre Versuche gewählt haben. Herr K. kennt alle Bienenrassen in Russland, denn er wanderte über tausende Kilometer mit seinen Bienen. Für ihn ist die Primorski die aggressivste Biene in Russland und ebenso von der Varroa befallen wie die übrigen.
Beim Öffnen eines Volkes würden die Imker überfallen, bis die Anzüge schwarz wären. Ohne Vollschutz sei keine Arbeit am Stand möglich. Selbst Rinder und Mähdrescher-Fahrer würden attackiert, und er berichtete von einem Bauern, der beim Heueinfahren um sein Leben lief und den zurückgelassenen Esel später tot vorfand. Warum – so frage ich mich – müssen wir uns diese „Stecher-Mörderbienen“ ins Land holen, nachdem wir durch gezielte Zuchtarbeit über viele Jahre über sanfte Bienen der Rasse Carnica verfügen?
Bezüglich ihres Sammeleifers seien die Primorski-Bienen zwar gut, würden allerdings das Sammeln z. B. nach einer Volltracht in den Lindenwäldern komplett einstellen. Auch dieses Verhalten ist für unsere Bienen nicht erstrebenswert.
Warum haben sich die Institute, die die Königinnen von Amerika bezogen haben, keinen Bienenstand in Russland (Nähe Wladiwostok) angeschaut bzw. nicht vor Ort über die Versuchsbienen informiert? Wir haben uns doch schon vor Jahren große Probleme mit der Einfuhr fremder Bienen geschaffen. Muss es unbedingt eine Wiederholung geben? Wann lernen wir endlich daraus? Hören wir doch auf, mit unbekannten Rassen zu experimentieren und dadurch unsere heimischen Bienen zu gefährden!
Hermann Steuer,
Am Ritzerbach 20, 66663 Merzig
Antwort: Da die von Herrn Steuer skizzierten Darstellungen eine Fortführung der
bisherigen imkerlichen Betriebsweisen fraglich erscheinen lassen, hat die Redaktion den an den Versuchen mit der Primorski-Biene beteiligten Wissenschaftler, Dr. Stefan Berg vom Bieneninstitut Kirchhain, gebeten, die aufgeworfenen Fragen zu beantworten:
Die wissenschaftliche Aufmerksamkeit für die Primorski-Bienen rührt von der Chance her, mit ihr eventuell eine europäische Biene an der Hand zu haben, die nach Einschätzung amerikanischer Kollegen günstige Varroatoleranz-Eigenschaften aufweist und keiner oder nur eingeschränkter medikamentöser Behandlung bedarf. Erste Ergebnisse in Deutschland konnten in einem Kurzzeitversuch eine geringere Varroavermehrung bei den Primorski-Bienen unter hiesigen Bedingungen aufzeigen und waren die Grundlage für ein umfangreiches Untersuchungsprogramm, das im letzten Jahr angelaufen ist. In diesem Untersuchungsprogramm unter Beteiligung mehrerer bienenwissenschaftlicher Institute sollen die Eigenschaften dieser Bienen mit Blick auf Varroatoleranz, Leistungs- und Verhaltenseigenschaften näher beleuchtet werden.
Seit 1994 bestehen intensive Kontakte amerikanischer Kollegen mit Wissenschaftlern und Imkern in der Primorski-Region. Bei mehreren Reisen in die Region haben sich unsere amerikanischen Kollegen über die Situation der Bienenhaltung und die Eigenschaften der Bienen vor Ort informiert. 1997 kam es zu ersten Importen von Bienenköniginnen aus der Primorski-Region nach den USA, seit 1999 werden die Nachzuchten kommerziell an Imker abgegeben. In keinem Fall liegen Berichte über aggressives Verhalten der Bienen vor.
Im Jahr 2000 wurden erste Primorski-Königinnen aus dem Untersuchungsprogramm in den USA für wissenschaftliche Untersuchungen nach Deutschland verbracht. Ein zweiter Import von Königinnen erfolgte im letzten Jahr im Rahmen des Untersuchungsprogrammes der bienenwissenschaftlichen Institute. Die mit den Untersuchungen verbundenen Messungen an den Völkern beinhalten ein intensives Arbeiten mit den Bienen. Diese Arbeiten werden von uns in der Regel ohne Schutzkleidung (weder Handschuhe noch Schleier) durchgeführt. Morphometrisch, also von den Körpermerkmalen her gesehen, scheinen die Primorski-Bienen der Verwandtschaft der Carnica und Macedonica zuzuordnen zu sein.
Die laufenden Untersuchungen an den Instituten beinhalten als ein zentrales Element die Beurteilung der Leistungs- und Verhaltenseigenschaften dieser Bienen. Horrorszenarien, wie sie vom Imkerkollegen von Herrn Steuer beschrieben werden, sind allerdings jetzt schon klar auszuschließen und erinnern vielmehr an Berichte zu anderen russischen Bienenherkünften wie der baskirischen Waldbiene. Diese kommt allerdings einige tausend Kilometer entfernt im Bereich des südlichen Urals vor.
Dr. Stefan Berg
HDLGN
Bieneninstitut Kirchhain
Erlenstraße 9
35274 Kirchhain
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