Frage: Ich habe einen eigenen Wachskreislauf und gieße meine Mittelwände selbst. Wie kann ich erreichen, dass sie nicht oder weniger brüchig sind? Ich verwende nur Neuwachs aus Entdeckelungswachs, um einen Anstieg von Varroaziden zu vermeiden. Die Altwaben aus dem Brutraum, die bekanntlich höher belastet sind, wandern konsequent in die Kerzenproduktion.
Welche Rolle spielt es, dass das Wachs erst kurzfristig vor dem Gießen ausgeschmolzen und aufgekocht wird?
Und welche Rolle spielt es, wenn zur Wachsklärung Schwefelsäure verwendet wird?
Thomas Paar, 91790 Bergen
Antwort: Bienenwachs aus Altwaben ist immer elastischer als solches aus Jungfernbau. Das liegt an der größeren Beimengung von Begleitstoffen, insbesondere Propolis, die das Wachs geschmeidiger machen. Das Propolis und die Carotinoide des Pollens verleihen dem ursprünglich weißen Bienenwachs auch die Farbe. Es ist auch bekannt, dass zu langes und zu starkes Erhitzen das Bienenwachs schädigen kann. Insbesondere nach dem Schmelzen des Rohwachses, das ohne weiteres in kochendem (weichem) Wasser vorgenommen werden kann, sollte das Blockwachs, etwa zum Klären oder zur Weiterverarbeitung, nicht mehr über 80 °C erhitzt werden. Möglicherweise ist das unmittelbar nach dem ersten Schmelzvorgang verwendete Deckelwachs nicht sauber genug und deshalb extrem brüchig. Ich empfehle, das Wachs mindestens einmal langsam in einer isolierten Kiste abkühlen zu lassen. Die Unterseite des erstarrten Blocks reinigen und zum Gießen erneut auf die exakte Temperatur aufschmelzen. Sehr gut geht das im Wasserbad eines thermostatgesteuerten Weckkessels.
Erwägenswert ist die Herstellung etwas dickerer und damit festerer Mittelwände. Dazu reduziert man einfach die Wachstemperatur beim Gießen um wenige Grade, bis das gewünschte Resultat erzielt wird. Wenn man Zugriff auf eine Mittelwandwalze hat oder sein Wachs bei einem Fachbetrieb im Walzverfahren umarbeiten lassen kann, erhält man mit Sicherheit ebenfalls gute Ergebnisse. Beim Walzvorgang wird das Wachs gewissermaßen gewalkt und geknetet und erhält dadurch eine elastischere Struktur. Deshalb werden Kerzenmittelwände von seriösen Herstellern immer im Walzverfahren gefertigt. Wenn auch dies nicht hilft, sollte man auf fett-(= wachs-) lösliche Varroazide verzichten und dem Entdeckelungswachs zumindest einen Teil Altwachs zusetzen.
Die Aufhellung des Wachses mit Schwefelsäure ist vollkommen überflüssig, wenn man bei der Verarbeitung Kontakt mit Eisenteilen vermeidet, wodurch sich nämlich das Wachs braun verfärbt. Alle übrigen Verunreinigungen sind durch mehrfaches Aufschmelzen und Klärung des Wachses unter Verwendung von reichlich weichem Wasser zu beheben. Es macht keinen Sinn, mühevoll einen eigenen Wachskreislauf aufzubauen und dann das wertvolle Endprodukt mit schärfster Säure zu „misshandeln“.
Armin Spürgin,
Fachberater für Imkerei,
Amt für Landwirtschaft Freiburg
Fürstenbergstraße 17
79102 Freiburg
E-Mail: Armin.Spuergin@allbfr.bwl.de