Fragestellung: Ein bayerischer Imker hatte den D.I.B. um Hilfe gebeten, ihm Kriterien an die Hand zu geben, mit welchen sich die Qualität von Mittel-
wänden anhand der vom Handel mitgelieferten Untersuchungsergebnisse beurteilen lässt. Dr. Klaus Wallner, Experte für Rückstandsbelastungen, von der Landesanstalt für Bienenkunde
Hohenheim beantwortet
die aufgeworfenen Fragen.
Antwort:
Bienenwachs fängt viele fettlösliche Wirkstoffe aus der Varroabekämpfung bis hin zu Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft ab. Diese Substanzen werden vom Wachs gespeichert und können bei der bisherigen Wachsverarbeitung nicht entfernt werden. Sie kommen also mit den Mittelwänden wieder in die Honigräume der Bienenvölker zurück. Deshalb sollte die Umarbeitung von belastetem Altwachs zu Mittelwänden auch eingeschränkt werden.
Viele Imker haben mittlerweile diese
Problematik erkannt und wollen Gegenmaßnahmen einleiten. Sie suchen Mittelwände ohne problematische Wirkstoffbelastung. Dabei stoßen sie auf Angebote aus dem Handel, die so genannten pestizidarmen Mittelwände. Diesen Mittelwänden liegen Analysenergebnisse bei, die häufig eine Liste von untersuchten Wirkstoffen enthalten, die vom Namen her für die meisten Imker nicht einzuordnen sind. Daneben werden Bestimmungsgrenzen und Nachweisgrenzen genannt, die vom Laien nicht beurteilt werden können. Der Imker fragt sich zu Recht, ob die untersuchte Wirkstoffpalette eigentlich vollständig ist und tatsächlich alle derzeit wichtigen Wirkstoffe mit der notwendigen Empfindlichkeit geprüft worden sind.
Welche Rückstandshöhe
des Mittelwandwachses ist akzeptierbar?
Einige Wirkstoffe wandern ab einer Belastung von 1 mg/kg = 1 ppm aus dem Wachs messbar in den Honig ein. Dies ist in Laborversuchen in Hohenheim überprüft worden. Allerdings verhalten sich hier nicht alle Wirkstoffe gleich. In der Gruppe der Varroazide ist der Perizin-Wirkstoff Coumaphos besonders beweglich. Andere Wirkstoffe (z. B. Fluvalinat von Apistan bzw. Klartan oder Flumethrin von Bayvarol) sind nicht so mobil. Von vielen anderen Wirkstoffen liegen dazu keine Erfahrungen vor.
Aufgrund dieser Diffusionsvorgänge sollte in den Mittelwänden jeder der angeführten Wirkstoffe 1 mg/kg (= 0,001 g/kg = 1 ppm) nicht überschreiten. Dann ist gewährleistet, dass später keine messbare Wirkstoffeinwanderung aus dem Wachs in den Honig stattfindet. Jeder Imker sollte auch für seinen Betrieb anstreben, unterhalb dieser Maximalbelastung zu bleiben.
Die Richtlinien der Bioverbände schreiben sogar vor, dass die einzelnen Wirkstoffe nicht messbar sein dürfen. Alle geprüften Wirkstoffe müssen unter den heutigen Bestimmungsgrenzen liegen (in der Regel 0,1 – 0,5 ppm).
Welche Wirkstoffe sollte eine Analyse ausweisen?
Da im Rahmen der Varroabekämpfung in großem Umfang Wirkstoffe in die Bienenvölker eingebracht worden sind, sollten natürlich Angaben zu den wichtigsten Wirkstoffen gemacht werden. Aufgrund vorhandener bzw. nicht vorhandener Werte zur zulässigen Höchstmenge im Honig sind die Messergebnisse von Wachsanalysen unterschiedlich zu bewerten.
Wirkstoffe (Präparate), für die eine Nulltoleranz in Honig gilt, sollten im Mittelwandwachs nicht messbar sein. Dies sind:
- Brompropylat (Folbex VA Neu)
- Cekafix (Cekafix)
- Tetradifon (Tedion), China
- Chlordimeform (K 79, Galecron,China
- Acrinathrin (Gabon PA),Osteuropa
- Malathion (o. Angabe),Osteuropa
- Chlorfenvinphos (Supona),Südeuropa
- 1,4-Dichlorbenzol/Paradichlor-benzol(Imker Globol/Styx)
Wirkstoffe, für die eine Nulltoleranz gilt, werden besonders kritisch überprüft. Allen voran die toxikologisch bedenklichen Stoffe wie z. B. Chlordimeform und Paradichlorbenzol. Letzteres steht im Verdacht, krebserregend zu sein, und wandert sehr schnell in den Honig ein. Nachweisbare Spuren der Wirkstoffe mit Nulltoleranz im Honig würden immer zu einem Verkaufsverbot führen.
Für Wirkstoffe, für die es Höchstmengen im Honig gibt bzw. die stärker im Wachs gebunden werden, wäre es ebenfalls wünschenswert, wenn sie in der Wachsanalyse nicht nachweisbar sind. Auf jeden Fall sollte der oben aufgeführte Wert von 1 ppm nicht überschritten werden:
- Coumaphos (Perizin)
- Flumethrin (Bayvarol)
- Fluvalinat (Apistan/Klartan)
- Cymiazol (Apitol)
Darüber hinaus wäre eine Analyse auf eine ganze Reihe von Substanzen aus den Bereichen Pflanzenschutz (z. B. DDT, Lindan), Vorratsschutz und Holzschutz wünschenswert. Das Mittelwandwachs sollte außerdem als unverfälscht und entkeimt (Faulbrutsporen) deklariert sein.
Sind Mittelwände aus synthetischem Wachs eine Alternative?
Derzeit bietet ein großer ausländischer Wachsverarbeiter Mittelwände aus synthetischem Wachs als Lösung für die bestehenden Rückstandsprobleme im Wachs an. Diese weißen Mittelwände bestehen hauptsächlich aus Paraffin, einem sehr preisgünstigen Wachs, das bei der Verarbeitung von Erdöl gewonnen wird. Dieses Wachs enthält natürlich keine Rückstände der oben aufgelisteten Wirkstoffe, und man könnte bei sehr oberflächlicher Betrachtung der Thematik auf die Idee kommen, dieses Wachs als Mittelwandwachs einzusetzen.
Solche Mittelwände würden aber zu einer massiven Wachsverfälschung führen, wie wir sie aus der Vergangenheit z. B. von chinesischem Bienenwachs her kennen. Das Wachs aus unseren Völkern wäre dann ein stark verfälschtes Mischwachs, das nach den Vorgaben des Deutschen Arzneibuchs (DAB) und auch der europäischen Richtlinien nicht mehr als Bienenwachs bezeichnet werden darf. Dieses Wachs findet auf dem Markt keinen Käufer. Es kann weder in der Arznei- oder Kosmetikindustrie noch im Lebensmittelbereich verarbeitet werden, da dort ein unverfälschtes Bienenwachs vorgeschrieben wird. Selbst die Kerzenhersteller könnten ihre Kerzen, die aus diesem Wachs hergestellt worden sind, nicht mehr als Bienenwachskerzen bezeichnen. Wir Imker würden damit unseren letzten Pluspunkt, ein unverfälschtes Bienenwachs in den Bienenstöcken zu haben, aufgeben. Dieser Weg ist daher keine Lösung für
die derzeitigen Rückstandsprobleme im Wachs.
Dr. Klaus Wallner
Landesanstalt für Bienenkunde
in Hohenheim
August-von-Hartmann-Straße 13
D-70593 Stuttgart
bienewa@uni-hohenheim.de