Frage: Zu meinen Kunden gehören neuerdings auch einige Bürger türkischer Herkunft. Es sind sehr kritische Kunden. Die Farbe des Honigs ist für sie äußerst wichtig, der dunkelste der beste. Immer wieder wird mir die kritische Frage gestellt: "Ist da Zucker drin?" oder "Wie ist das mit dem Zucker?"
Beim Deutschen Imkerbund habe ich angefragt, ob es eine Information in türkischer Sprache über die deutsche Honigverordnung und Honig im Imker-Honigglas gibt, bzw. angeregt, eine solche zu erstellen.
Nun habe ich auch gehört, dass es in der Türkei üblich sein soll, während der Tracht Bienen mit Zucker zu füttern. Daher meine Fragen:
- Ist eine solche Zuckerfütterung in der Türkei allgemein üblich, oder kommt so etwas nur gelegentlich vor?
- Ist dies in der Türkei erlaubt?
- Ist es in der Türkei gar erlaubt, von Menschen hergestellte Zucker-Honig-Gemische als Honig zu verkaufen?
Dieter Vester
Höhenstraße 51, 65307 Bad Schwalbach
Antwort:
Nach der Honigverordnung ist Honig der süße Stoff, den die Bienen erzeugen, indem sie Nektariensäfte oder andere an lebenden Pflanzenteilen sich vorfindende Säfte aufnehmen, in ihrem Körper verändern, in Waben speichern und dort reifen lassen. Damit sind die Rohstoffe des Honigs definiert. Dem Honig, der als solcher gehandelt wird, darf nichts anderes als Honig zugefügt werden. Ein Zusatz von Fremdstoffen jeglicher Art in den Honig ist nicht erlaubt! Dies gilt ganz allgemein und natürlich auch für Honig aus der Türkei.
Es ist bekannt, dass türkische Imker gelegentlich während der Tracht eine zusätzliche Zuckerfütterung praktizieren, um höhere Erträge zu erwirtschaften. Über den Umfang und die imkerliche Verbreitung einer solchen Praxis kann jedoch nur spekuliert werden. Die Verfälschung von Honig durch eine Zuckerzufütterung scheint jedoch in der Türkei zumindest regional ein relativ großes Problem darzustellen. Um dieses Problem zu lösen, werden von wissenschaftlicher Seite pollenanalytische Studien durchgeführt, um Zuckerfütterungshonige von unverfälschten Honigen unterscheiden zu können. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Pollenspektrum verfälschter Honige von dem unverfälschter Honige abweicht.
Natürlich dürfen auch in der Türkei Zucker-Honiggemische nicht als Bienenhonig verkauft werden.
Dr. Helmut Horn
LA f. Bienenkunde d. Uni Hohenheim
August-von-Hartmann-Straße 13
70599 Stuttgart
immehorn@Uni-Hohenheim.de