Anfragen mehrerer Leser beziehen sich auf den Beitrag von Dr. Wolfgang Ritter in Ausgabe 12/2002, Seite 3.
Frage: Nach den Erläuterungen im genannten Beitrag ist die Schadensschwelle der Varroamilbe in den letzten Jahren immer weiter gesunken. So sollen die Völker früher erst bei 15.000 Milben eingegangen sein, während sie heute schon bei 5.000 Milben sterben. Wo soll das hinführen? Müssen wir in Zukunft schon vor einer Milbe Angst haben? Sind daran die Viren tatsächlich schuld? Wenn ja, wie kann man sich dagegen wehren? Gibt es besondere Medikamente oder sind wir ihnen hilflos ausgeliefert?
Antwort:
Die von mir angegebenen Zahlen sind Durchschnittswerte. Natürlich hat es schon damals Völker gegeben, die bei weniger Milben eingingen, genauso wie es heute solche gibt, die immer noch mit hohen Milbenzahlen zurecht kommen. Was letztendlich die Ursache für diese Unterschiede ist, können wir nicht abschließend beurteilen. Die Vitalität und Widerstandskraft der Völker scheint dabei aber eine wesentliche Rolle zu spielen. Auch wenn diese Zusammenhänge sich nur schwer mit Zahlen belegen lassen – die Volksstärke alleine gibt hierüber keine Auskunft – scheinen doch Völker, die in sich stimmig sind, Vorteile zu haben.
Grundsätzlich lassen eine optimale Volksstärke, Futterversorgung und Führung der Völker zusammen mit einem vernünftigen Behandlungskonzept die Völker auch einen stärkeren Varroa-Druck ertragen. Doch Viren erhöhen die Virulenz der Varroamilbe, d. h. sie erhöhen deren krankmachende Wirkung. Nach unseren Untersuchungen tritt seit wenigen Jahren vermehrt das Deformierte Flügelvirus auf. Auch wenn wir noch nicht alle Zusammenhänge kennen, so scheint es doch den Verlauf der Varroatose wesentlich zu beeinflussen. Die zusätzliche Verkürzung der Lebensdauer der Bienen ist nur eine Folge. Es ist nicht zu befürchten, dass die Schadensschwelle wesentlich weiter sinkt.
Viren kann man zurzeit nicht direkt bekämpfen. Die in diesem Zusammenhang wichtigen Viren treten aber immer nur gemeinsam mit Varroamilben auf. Ihre Häufigkeit nimmt daher auch mit der der Milben zu. Wenn man den Milbenbefall rechtzeitig niedrig hält, haben auch die Viren keine Chance.
Dr. Wolfgang Ritter,
Am CVUA-Freiburg
Am Moosweiher 2, 79108 Freiburg,
ritter@bienengesundheit.de