Frage: Bei der Zucht wurden mir im Zuchtrahmen von den Bienen die Königinnenzellen fast komplett mit Naturbau umbaut. Nur wenige waren noch frei zugänglich. Am Schlupftag stellte sich heraus, dass fast alle Königinnen dieser Zellen nicht schlüpften – sie waren recht weit entwickelt, aber abgestorben. Sind sie erstickt? Ich habe während der Zucht immer wieder mit Honigwasser gefüttert, um die Annahme und Pflege zu verbessern. Für den dadurch auch entstehenden Bautrieb habe ich zwei Leerrähmchen in das Pflegevolk gehängt – wie man sieht, hat dies nur wenig genützt. Gibt es ähnliche Erfahrungen? Wie lässt sich das Verbauen vermeiden?
Philipp Elsässer
Carl-Hilt-Str. 27 A, 52134 Herzogenrath
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Antwort: Bei Züchtern ist das Verbauen der Zuchtzellen ein befürchtetes Phänomen. Daraus resultieren Schwierigkeiten beim „Verschulen“ derartig eingebauter Zuchtzellen sowie schlechte Schlupfraten. Verbaut werden die Zuchtzellen sowohl in weisellosen Pflegevölkern als auch in weiselrichtigen Fertigbrütern (Finishern).
Füttern ja, aber richtig!
Bekanntlich wird die Baulust durch eine gute Tracht und durch Fütterungen angeregt und gefördert. Das Füttern mit einer Blütenhoniglösung bei Einleitung der Zucht wird zwar in vielen Anleitungen empfohlen, scheint aber bei genauerer Betrachtung eher unbedeutend zu sein. Die Voraussetzungen für gute Pflegeeigenschaften des ausgewählten Volkes werden nämlich sehr viel früher geschaffen als im Augenblick der Zuchtstoffzugabe.
Um auf die direkte Fütterung verzichten zu können, den gewünschten Futterstrom (z. B. bei schlechter Witterung) aber dennoch zu erreichen, empfehle und praktiziere ich, Waben mit Blütenhonig in die untere Zarge zu geben. Mit einer derartigen „Deplatzierung“ der Honigwaben erhält man den gewünschten Effekt!
Problem völlig vermeiden
Beobachtet man die Entwicklung der Zuchtzellen, dann bemerkt man, dass die Verbauung erst nach der Verdeckelung beginnt. Entnimmt man sie direkt danach – zu diesem Zeitpunkt sind sie relativ unempfindlich – und verbringt sie in einen Brutschrank, tritt das Verbauungs-Problem erst gar nicht auf. Während dieser Entwicklungsstufe, der Verpuppungsphase und weiteren Ausreife, benötigen die Zellen keine weitere Fütterung und sonstige Pflege – aber die Temperatur von 35 °C muss stimmen!
Das Verbauen vermeiden
Durch die kontinuierliche Königinnenanzucht in meiner Imkerei von Ende April bis Mitte Juli fand ich heraus, bei welcher Platzierung des Zuchtrahmens, besser gesagt der Zuchtleiste, ein Verbauen ausbleibt. Als Erstes gebe ich zum Anbrüten einen Zuchtrahmen mit zwei Leisten, auf dem sich jeweils 15 bis 18 belarvte Näpfchen befinden, in den weisellosen „Starter“. Da die Zuchtleisten in Führungsnuten der Rähmchen-Seitenteile gehalten werden, lassen sie sich herausnehmen. Nach dem 2-tägigen Starten entnehme ich sie mit den angebrüteten Zellen (ohne die Bienen) und verbringe sie einzeln zur Weiterpflege über Absperrgitter in den Honigraum eines Finisher. Mehr als 15 Zellen sollten zur Weiterpflege in einem Volk nicht verwendet werden.
Um das Verbauen zu verhindern, verwende ich Zuchtrahmen, die den Bienen im Falle einer guten Tracht im oberen Bereich einen Naturwabenbau ermöglichen. So bleibt das untere Drittel mit den Zuchtzellen frei von jeder Verbauung. Verfährt man anders herum oder verwendet die Zuchtrahmen mit zwei Leisten, werden die Zellen häufig sehr schnell eingebaut.
Die Wärmeversorgung sichern
Sowohl im weisellosen Pflegevolk als auch im Finisher muss der Zuchtrahmen mit Brutwaben flankiert sein. Nur so ist die erforderliche Bruttemperatur für die Königinnenzellen gesichert! Dies will vor dem jeweiligen Einhängen vorgerichtet sein.
Bei Sammelbrutablegern oder auch bei allen sonstigen Pflegevölkern kann es vorkommen, dass zum Zeitpunkt des Verschulens nur noch geringe Brutflächen vorhanden sind. Die Stoffwechselvorgänge und der von einer einzigen Königinnenpuppe ausgehende Erwärmungsprozess reichen nicht aus, um die erforderliche Bruttemperatur aufrechtzuerhalten. Auch dies ist eine Ursache für viele Klagen, die Königinnen schlüpften nicht oder sehr spät! Wird der Hürdenrahmen mit den Schlupfkäfigen dagegen mit Brutwaben flankiert, bilden diese zusammen einen Wärmeblock. Wenn nötig, entnimmt man Brutwaben aus anderen Völkern, um den züchterischen Erfolg zu erreichen!
Werner Gekeler, Imkermeister
Sternbergstraße 14
72525 Münsingen