Frage: Gerne wüsste ich mehr über die Lebensweise der Varroamilben. Speziell interessiert mich, wie lange sie in herausgenommenen Drohnenwaben bzw. ganz ohne ihren Wirt überleben?
Schon seit Jahren hänge ich gedeckelte Drohnenbrut zum Auspicken für die Meisen in die Bäume. Hellere Waben benutze ich, nachdem ich sie nach dem Leerpicken noch ein paar Tage hängen ließ, wieder. Besteht die Gefahr, dass nicht von den Meisen gefressene Varroamilben wieder in die Völker gelangen?
Reinhold Fath
Gässleweg 8, 69469 Weinheim
Antwort: Da eine vollständige Beschreibung der Varroa-Biologie an dieser Stelle zu umfangreich wäre, möchte ich auf die Arbeiten und ein Video der Schweizer Forschungsanstalt in Liebefeld verweisen (siehe auch ADIZ/die biene 01/ und 02/98). Daher nur in Kürze…
Die Vermehrung
der Varroamilben
Um sich fortzupflanzen, dringt das Varroaweibchen vor Verdeckelung in die Brutzelle ein und versteckt sich am Zellboden unter der Rundmade. Dabei wird Drohnenbrut im Vergleich zu Arbeiterinnenbrut etwa siebenmal lieber aufgesucht. Ein bis zwei Tage später beginnt die Muttermilbe, Eier zu legen. Zuerst eins, woraus ein Männchen wird, und dann etwa täglich eins, woraus Weibchen werden. Aus den Eiern entwickeln sich im Zeitraum von 6 – 7 Tagen über die Stadien Proto- und Deuto-Nymphen schließlich die geschlechtsreifen Milben, die sich dann in der geschlossenen Zelle paaren.
In der Brutzelle gibt es eine strenge Nestordnung. Die Bienenpuppe liegt auf dem Rücken in der Zelle, somit mit der Bauchseite nach oben. Der Kotplatz der Milben befindet sich am Zelldach. Dort ist auch der Aufenthaltsbereich der Nymphen und Jungmilben. Die Muttermilbe schafft ein Saugloch auf dem zweiten Hinterleibssegment der Bienenpuppe, dieses suchen die Milben im Wechsel auf, um sich zu ernähren. Dringt nur eine Muttermilbe ein, gibt es ausschließlich Bruder-Schwester-Paarungen, während es bei Mehrfachbefall auch zu Kreuzungen kommt. Bei starkem Befall findet man häufiger mehrere Milbenfamilien in einer Zelle. Je nach Befall sind die jungen Arbeiterinnen oder Drohnen beim Schlupf somit mehr oder weniger stark geschädigt.
Durch die unterschiedliche Verdeckelungsdauer entwickelt sich in Arbeiterinnenzellen je Muttermilbe meist nur ein begattetes und damit vermehrungsfähiges junges Weibchen, während es auf der Drohnenpuppe drei bis vier sein können. Während die Altmilbe bereits nach durchschnittlich 6 Tagen wieder in eine Brutzelle eindringt, parasitieren die Jungmilben zuerst mindestens 14 Tage auf erwachsenen Bienen. Etwa 10-mal kann eine Muttermilbe Nachkommen schaffen. Nach derzeitigen Erkenntnissen sind nach 6 Tagen 60 % der Milben wieder in der Brut – nach 12 Tagen 80 %, nach 18 Tagen 85 %, nach 25 Tagen 90 % und nach 30 Tagen ca. 95 % – und vermehren sich weiter. Etwa alle dreieinhalb Wochen findet daher während der Brutphase eine Verdoppelung des Milbenbefalls statt. Durch regelmäßige Drohnenbrutentnahme und eine gezielte Jungvolkbildung kann die Vermehrung bekanntlich merklich gebremst werden!
Drohnenbrut
als Vogelfutter
Die Praxis, Drohnenbrut als Vogel- oder Ameisennahrung und damit ökologisch zu nutzen, ist sicherlich weit verbreitet. Allerdings sind die Bedenken, dass dabei eine weitere Verbreitung oder eine Rückinvasion von Varroamilben erfolgt, nicht unbegründet.
Solange die Drohnenbrut noch lebt bzw. wenig zersetzt ist, überleben die Milben auf ihr ebenfalls. Auf lange liegen gebliebenen Drohnenbrutwaben (wegen Regenwetter arbeitete der Sonnenwachsschmelzer nicht) konnte ich selbst beobachten, dass sie nach acht Tagen noch sehr munter waren.
Ganz ohne Wirt hängt es von den Temperaturen ab. Sind diese hoch, sterben sie aufgrund ihres höheren Stoffwechsels relativ schnell ab, während sie bei 15 bis 20 °C mehrere Tage überleben, wie mir Dr. Wolfgang Ritter mitteilte.
Aufgehängte Waben im Außenbereich werden von den Bienen schon bei geringsten Trachtpausen aufgesucht. Dadurch kommen die Milben u. U. schnell wieder in die Völker. Und wir wissen, eine ist schon zu viel, da aus ihr bis zum Herbst 60 bis 100 geworden sein können. Wenn nicht andere gesetzliche Bestimmungen dagegen sprächen, könnte man die Drohnenwaben zwei Tage in die Kühltruhe legen, die Milben damit abtöten und dann alles bedenkenlos als Vogelfutter anbieten. Die Bienenseuchenverordnung verbietet jedoch offene Bienenwohnungen wegen der Seuchengefahr. Brutwaben mit freiem Zugang für Bienen sind damit laut Gesetz ebenfalls nicht erlaubt!
Werner Gekeler, Imkermeister
Sternbergstraße 14
72525 Münsingen