Frage: Ich verarbeite seit einiger Zeit mein Bienenwachs zu Kerzen, stelle aber gerade bei Teelichtern große Unterschiede in der Brennqualität fest. Wie muss ich mein Wachs aufbereiten, um eine gleichmäßig gute Brennqualität zu erreichen?
Ergänzend interessiert mich, ob sich durch mehrmaliges Verflüssigen die Farbe des Bienenwachses verändert bzw. das Abbrennverhalten des Wachses beeinflusst wird?
Liévre
Antwort: Falls der Docht zum Kerzenumfang bzw. dem Teelicht passt, er richtig herum eingelegt, von guter Qualität, dazu noch sauber und trocken ist, liegt es vermutlich an der Reinheit des Wachses, wenn Sie Unterschiede in der Brennqualität feststellen. Feinste Schwebteilchen, wie z. B. Pollen und Propolis-Reste und anderes, bewirken schlechtes Abbrennen und führen zu Rauchentwicklungen, Rußfahnen am Docht oder gar zum Spritzen und Knistern beim Abbrennen. Daher muss man das Wachs klären, klären und nochmals klären…!
Grobe Verunreinigungen, wie z. B. Nymphenhäutchen, sollten vorab schon entfernt sein. Zur Verflüssigung eignet sich ein handelsüblicher Einkochapparat zusammen mit einem dazu passenden konischen Edelstahltopf und als Wärmedämmung z. B. mehrere Decken oder eine Haube aus Styropor.
Für den ersten Klärvorgang etwas sauberes Regenwasser in den Edelstahltopf geben und das Wachs darin im Wasserbad des Einmachtopfes bei 80 °C verflüssigen.
Wachs dehnt sich dabei sehr stark aus, daher Gefäße nicht zu voll machen! Auch darf man es niemals direkt in einem Wärmegefäß erhitzen: Bei höheren Temperaturen kommt es zum Schäumen, und es besteht Brandgefahr!
Die oben schwimmenden Schwebstoffe mit einem feinen Teesieb abschöpfen oder das Wachs durch einen Damenstrumpf gießen. Die anderen Schwebteilchen, kaum schwerer als Wachs, brauchen sehr viel Zeit, um nach unten abzusinken (Schwereklärung!) und sind daher nur durch langsames Abkühlen oder langes Flüssighalten abtrennbar. Dies erreicht man durch eine gute Wärmedämmung bzw. die Temperatursteuerung des Einmachtopfes. Nach der ersten Klärphase wird der Bodensatz vom erkalteten Wachsblock abgekratzt. Anschließend ein zweites Mal ohne Wasser im Edelstahltopf verflüssigen und nach dem Abkühlen den Satz nochmals entfernen.
Etwas professioneller geht es mit einem doppelwandigen Wachsschmelztopf mit beheiztem Ölbad, der allerdings relativ teuer ist und sich nur für Mengen ab 50 kg lohnt. Dieser hat im mittleren Bereich einen Ablasshahn zum Abziehen des sauberen Bienenwachses und unten einen schrägen Boden und ebenfalls einen Ablasshahn zum Entfernen der Schmutzteile. Wem der Aufwand der Klärung zu hoch ist oder wirklich sicher gehen will, dass seine Kerzen sauber abbrennen, bringt seine einmal geklärten Wachsblöcke zu einem Wachsverarbeiter. Man erhält dort im Tausch industriell gereinigtes Wachs in Perlenform, das gute Brennergebnisse aufweist.
Durch mehrmaliges Verflüssigen, nicht über 90 °C, gibt es keine Veränderungen in der Farbe oder im Abbrennverhalten. Farbveränderungen gibt es, wenn „unedle“ Gefäße zum Wachsschmelzen verwendet werden: Eisen verbräunt, Aluminium und Kupfer vergrauen das Wachs. Dies verursachen die im Wachs enthaltenen Fettsäuren, die mit Metallionen eine Verbindung eingehen. Daher nur Edelstahl-, unbeschädigte Emaille- oder Kunststoff-Gefäße verwenden!
Bekannt ist, dass abgelagerte Kerzen länger brennen. Kenner kaufen daher lieber die vom letzten Jahr, auch wenn sie schon etwas „Patina“ angesetzt haben.
Bruno Binder-Köllhofer
Fachberater für Bienenzucht
Erlenstraße 9
35274 Kirchhain