Frage: Man schleudert doch drei- bis viermal den Honig. Im vergangenen Jahr – es war ja auch ein ganz besonderes – habe ich erstmalig viermal geschleudert. So viel Honig hatte ich noch nie. Warum kann man nicht nach jeder Schleuderung ein wenig mit Ameisensäure behandeln? Dazwischen liegen doch 5 bis 6 Wochen. Bis man wieder schleudert, ist doch die Ameisensäure, die ohnehin im Honig enthalten ist, längst verdunstet und verschwunden. Oder geht die Ameisensäure doch so stark in den Honig? Wir hätten dann mit der Varroa sicher im Herbst weniger Probleme. Ist diese Möglichkeit so schon mal getestet worden?
Udo Kilimann
Kürkölner Straße 54a
57614 Burglahr-Heckerfeld
Antwort: Wie oft geschleudert werden kann oder muss, bestimmt im Wesentlichen die Tracht und die Reife des Honigs. Je nach Tracht und Standort ist es durchaus möglich, drei- oder viermal Honig zu ernten. Mehrmalige Schleuderungen kommen aber auch nur bei einer längeren Trachtzeit zustande. Ist den Bienen noch Ende Juli, im August und evtl. sogar im September eine Tracht geboten, muss man die Völker auch so lange einsatzbereit (trachtreif) halten. Je nach Befall mit Varroen kommt die Behandlung nach einer so langen Tracht wirklich zu spät. Das heißt, der Befall wäre ohne Eingriff so hoch, dass die Völker geschädigt würden bzw. daran kaputt gingen. Ihre Gedanken sind deshalb richtig.
Zu berücksichtigen ist allerdings, dass während einer Ameisensäureanwendung auf keinen Fall Honigwaben in den Völkern sein dürfen. Zusätzlich muss einer Behandlung eine Befallskontrolle vorausgehen! Liegt der Milbentotenfall bei mehr als 5 Milben täglich (genau schauen und auszählen, es darf keine Verfälschung des Ergebnisses durch Ameisenbelauf des Bodenschiebers oder der gittergeschützten Diagnoseschale geben!), sieht man eine Behandlung vor. Bei einem natürlichen Milbentotenfall von 10 Varroen dürfte der Befall bei ca. 1.500 Milben liegen, dann muss gehandelt werden!
Folgende Vorgehensweise ist möglich: Nach der Entnahme der Honigwaben kommen nur zwei absolut leere Waben zum Aufketten der Bienen in den Honigraum. Je nach Beutentyp wird entsprechend dosiert. Bei Magazinbeuten und einer normalen Volksstärke (3 Zargen werden besetzt) sind folgende Applikationen vorzunehmen:
- Schwammtuch von unten 50 ml
85 % AS
- Schwammtuch von oben 50 bis 60 ml 60 % AS
- Medizinflasche ohne Teller (MoT)
50 ml 85 % AS
- Nassenheider mit breitem Docht
60 ml 85 % AS.
Wenn der Befall an Varroen ermittelt wurde, könnte man zunächst auch mit geringerer Dosierung beginnen und den Erfolg überprüfen.
Einen Tag nach der Behandlung den Milbenabfall kontrollieren. Erst zwei Tage später die geschleuderten Honigwaben wieder zugeben. Dann ist die vom Material der Bienenwohnung und den Honigkränzen der Brutwaben aufgenommene Ameisensäure weitestgehend verdunstet.
Diese Behandlungsform wird, in Abhängigkeit vom Befall, von verschiedenen Imkern erfolgreich angewendet.
Imkermeister Werner Gekeler
Sternbergstraße 14
72525 Münsingen