Frage: Seit 1975 haben wir drei Bienenvölker zur Eigenversorgung im Garten. Der Stand steht auf 560 NN. Bisher erfolgreich.
Diesen Herbst waren die Bienen fertig eingefüttert. Die Varroabekämpfung mit Ameisensäure durchgeführt. Bei der Kontrolle stellten wir fest: In zwei Völkern waren keine Bienen mehr da und nur leere Waben. Diese beiden Völker wurden mit Trogfütterung versorgt. Das dritte Volk war mit Eimerfütterung versehen. Dieses ist noch ordnungsgemäß vorhanden.
Es ist uns ein Rätsel. Bisher haben wir immer alle Völker gut über den Winter gebracht. Der Bienenstand eines Nachbarn steht etwa 800 Meter östlich von uns. Gibt es eine Erklärung für dieses Vorkommnis?
Rudolf Wallbruch, Estenberghof, 56479 Liebenscheid
Antwort: Es sieht so aus, dass auch hier letztendlich die Varroamilbe, vielleicht in Kombination mit anderen sekundären Krankheitserregern, die Ursache der Verluste ist.
Immer wieder finden wir in verlassenen Beuten in der zurückbleibenden Brut eine sehr hohe Varroabelastung. Sie sollten einmal mit einer Lupe die Zellen inspizieren. Milben, ihre Entwicklungsstufen und auch weißer Milbenkot an den Wänden sind bei ausreichender Ausleuchtung schnell zu erkennen (siehe Foto). Sie können die Waben aber auch nach Rücksprache an ein Bieneninstitut zur Untersuchung einsenden.
Zur Behandlung: Eine eigene Behandlungsstrategie kann über Jahre gut gehen. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass sich die Milbenzahl von Jahr zu Jahr erhöhen kann und erst nach mehreren Jahren ein Zusammenbruch folgt. Anhand Gitter geschützter Bodeneinlagen lässt sich über den natürlichen Milbenabfall die Befallsentwicklung verfolgen. Denkbar ist auch, dass von benachbarten Ständen zusammenbrechende Völker einen Teil ihrer Milben auf bisher noch unbekannte Art und Weise auf andere Völker übertragen.
Ameisensäurebehandlungen können sehr unterschiedlich sein. Zu fragen ist, wie oft, in welcher Konzentration und in welcher Darreichungsform Sie behandelt haben und ob Sie im vergangenen Winter eine Varroabekämpfung durchgeführt haben.
Ergänzende Winterbehandlungen mit Milchsäure oder Perizin an brutfreien Völkern helfen, überlebende Milben einer unzureichenden Sommerbehandlung bzw. danach eingetragene Milben abzutöten, so dass die Bienenvölker „varroaarm“ in die neue Bienensaison starten können.
Dr. Christoph Otten, DLR Westerwald-Osteifel
Fachzentrum Bienen und Imkerei,
56727 Mayen
christoph.otten@dlr.rlp.de