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Praxisfragen
Besteht die Gefahr Perizin-resistenter Milben?
 

Frage: Zur Bekämpfung der Varroa habe ich meine Bienenvölker anfänglich mit Folbex VA neu behandelt. Später habe ich Bayvarolstreifen eingesetzt. Sie waren sehr einfach anzuwenden und hatten am Anfang eine gute Wirkung. Wegen der dann aber folgenden geringen Wirkung verwende ich nun seit einigen Jahren Perizin.
Könnte es nicht sein, dass es auch mit der Zeit Varroamilben gibt, die gegen Perizin resistent sind?
Reinhold Fath
Gässelweg 8, 69449 Weinheim



Antwort:
Leider gibt es für Ihre Sorge bereits ein reales Beispiel: Ende letzten Jahres erreichte uns die Nachricht, dass in weiten Bereichen Italiens Perizin-resistente Varroen festgestellt wurden. Resistenzen sind ein großes Problem, vornehmlich bei der Schädlingsbekämpfung des Pflanzenschutzes, aber auch in der Medizin und beim Vorratsschutz. Dass es dazu kommt, hängt mit der Populationsentwicklung von Schädlingen oder Parasiten und den Wirkungs- und Anwendungsformen der jeweiligen Mittel zusammen. Bei der Varroosebekämpfung ist die Falschanwendung der Mittel eine der Hauptursachen.
So wird z. B. durch einen langen Verbleib von Bayvarolstreifen in den Völkern und deren mehrmalige Verwendung die Resistenzbildung stark gefördert. Gerade durch letzteres baute sich das Problem sehr schnell auf. Bei der Wiederverwendung besteht nämlich die Gefahr, dass der Wirkstoff auf den Streifen abgebaut, abgetragen oder durch ständiges Begehen durch die Bienen mit Wachs, Propolis etc. überdeckt wird. Damit ist die Wirkung beträchtlich eingeschränkt, und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass einzelne Milben überleben und sich fortpflanzen können. Und zwar genau die, welche weniger empfindlich auf den Wirkstoff reagieren, wodurch letztendlich resistente Stämme selektiert werden.
Hat man nach dem Einbringen im Herbst die Streifen in den Völkern „vergessen“ und bis zum Frühjahr hängen lassen, wird die Resistenzbildung ebenfalls gefördert. Überleben einzelne Milben diesen ständigen Kontakt bzw. „Dauerbeschuss“ und vererben diese Eigenschaft an ihre Nachkommen, wird das Mittel sehr schnell wirkungslos.
Das Gleiche könnte auch bei Perizin durch Überdosierungen oder häufige Behandlungen eintreten, da sich der fettliebende Wirkstoff im Wachs anreichert, damit von dort ständig wirkt und somit die Resistenzbildung fördert.

Strategien zur Resistenzvermeidung:
Eine wichtige Maßnahme zur Erhaltung der Wirksamkeit ist die Vermeidung des ständigen Wirkstoffkontaktes. Dazu ist eine strenge Wachs- und Wabenhygiene erforderlich. Altwaben müssen heraus und pestizidarme Mittelwände zugegeben werden. Um bei der Anwendung von Perizin einen hohen Wirkungsgrad zu erzielen, muss Folgendes beachtet werden:
- Immer Brutfreiheit gewährleisten! Diese ist in der Regel im Herbst bei Frost und einer 14-tägigen Flugpause (kein Wasser, kein Pollen, kein Nektar) gegeben. - Nur direkt auf die Winterkugel bzw. die Bienen träufeln. Bei zweiräumigen Völkern die obere Zarge abnehmen oder Waben herausnehmen.
- Die Träufelflüssigkeit handwarm anwenden.
- Perizin nur zur Restentmilbung anwenden.
- Zeitweise die Perizinanwendung aussetzen!

Alternativen zur Perizinanwendung
Insgesamt hat sich gezeigt, dass eine einmalige Bekämpfungsmaßnahme unzureichend ist! Sowohl bei der Perizinanwendung als auch bei den entsprechenden Alternativen müssen immer verschiedene Maßnahmen zur Befallsreduzierung in die Betriebsweise integriert werden:
- Mehrmaliges Drohnenbrutschneiden des Baurahmens reduziert den Herbstbefall an Milben um mindestens die Hälfte.
- Bei der Jungvolkbildung lässt sich mit zwei bienenbesetzten Brutwaben bis zu einem Fünftel der Milben entnehmen. Im Jungvolk ist ihre Fortpflanzung zunächst unterbrochen, und sie können dort bekämpft werden.
- Nur die Befallskontrolle gibt Sicherheit! Bei einem Befall von mehreren hundert Milben im Juli ist ein Befreiungsschlag gegen die Varroa unumgänglich. Er wird mit einem der erfolgreichen Ameisensäure-Applikatoren vorgenommen. Der eintägige Brutausfall und der Verlust einiger Jungbienen, der durch den hohen Säuregehalt in der Stockluft entsteht, wird durch die nachfolgende Aufzucht gesunder Winterbienen kompensiert.
- Zur Winterbehandlung kann eine Träufelbehandlung mit einer 3 bis 3,5%igen Oxalsäurezuckerlösung, wie sie in Feldversuchen öfters getestet wurde, ersatzweise vorgenommen werden. Das im Handel angebotene Bienenwohl, das ebenfalls auf Oxalsäure basiert, ist eine weitere mögliche Alternative.

Imkermeister Werner Gekeler
Sternbergstraße 14
72525 Münsingen


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05.02.2012 00:24 Uhr
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