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Praxisfragen |
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Lassen sich Futterreste von Altwaben verwerten?
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Frage:
Wenn ich meine Altwaben im Dampfwachsschmelzer einschmelze, enthalten diese häufig größere Futter- bzw. Honigreste. Teilweise enthält das Wasser unter dem ausgeschmolzenen Wachskuchen dann auch einen hohen Zuckeranteil. Kann ich dieses Zuckerwasser direkt an meine Bienenvölker verfüttern? Kann ich es bei zu geringem Zuckergehalt eventuell auch mit zusätzlichem Zucker anreichern, damit es die Bienen abnehmen und verwerten können?
Antwort: Die Wabenerneuerung ist eine bedeutende imkerliche Maßnahme zur Eliminierung von Krankheitserregern und damit Gesunderhaltung der Bienenvölker. Frühjahrs- und Herbstrevisionen eignen sich am besten, um Altwaben herauszunehmen und sie durch Mittelwände oder junge Leerwaben zu ersetzen. Aber auch andere Gelegenheiten, wie z. B. den Rückgang der Bienenzahl durch Schwärmen, nutzt man, um alte Waben oder solche mit Baufehlern herauszunehmen.
Während dunkle leere Waben gerne aussortiert werden, gibt es bei Waben mit Honig- oder Futterkränzen, aber auch solchen mit reichlichen Pollenvorräten, bei den meisten Imkern größere Hemmschwellen. Schließlich sind die Vorräte nicht nur für das Bienenvolk, sondern auch für den Imker zu wertvoll, um sie so einfach mit den Altwaben zu „entsorgen“. Meist werden die Mengen in den Futterkränzen allerdings überschätzt, weshalb so manche alte „Schwarte“ viel zu lange in den Völkern bleibt.
Vorsicht beim Ausschmelzen!
In den meisten Imkereien werden zur Wachsgewinnung die Altwaben mit Rähmchen oder auch ausgeschnitten in einem Sonnen- oder Dampfwachsschmelzer ausgeschmolzen. Das dabei anfallende Restfutter darf zur Verfütterung an die Bienen nicht mehr verwendet werden, da es sie schädigt! Das gilt auch für die teilweise umfangreichen Honigreste, die beim Einschmelzen von Deckelwachs anfallen.
Wer schon einmal Deckelwachs im Sonnenwachsschmelzer eingeschmolzen hat, konnte feststellen, dass sich dabei der Wachstrog (je nach Honiggehalt des Wachses) zu 1/3 bis 1/2 mit Honig füllt. Dieser ist dann nicht nur braun bis schwarz gefärbt, sondern hat auch einen hohen HMF-Gehalt (Hydroxymethylfurfural), wie in Untersuchungen festgestellt wurde. Da derartig hohe Gehalte die Bienen schädigen und sogar giftig wirken, ist dieser Honig zum Verfüttern ungeeignet.
Nur unwesentlich geringer dürfte die Schädigung des Futters beim Ausschmelzen der Altwaben in einem vom Fachhandel angebotenen Dampfwachsschmelzgerät sein. Auch hier bildet sich durch die Hitze reichlich HMF. Zudem wird der Honig beim Ausschmelzen durch den Wasserdampf verdünnt und stark verunreinigt. Meistens ergibt sich eine dunkle Brühe, die unter Umständen relativ schnell zu gären beginnt und sich zur Fütterung auch deshalb nicht eignet.
Ausschneiden und
ausschlecken lassen
Will man die Futterreste der Altwaben dennoch verwerten, ist es am einfachsten, diese abzuschaben oder auszuschneiden und den Bienen im Futtertrog oder einer Kunststoffwanne zum Ausschlecken anzubieten. Dabei lassen sich kleinere Flächen samt den Zellwänden einfach mit dem Stockmeißel bis zur Mittelwand feinsäuberlich abschaben. Größere Futterecken sticht oder schneidet man ganz heraus und teilt sie in Streifen auf, die man senkrecht in den Trog stellt. Dabei lässt sich feststellen, dass es häufig etliche Waben mit Futterkränzen braucht, bis ein kleiner Trog gefüllt ist. Also, beim Aussortieren nicht so zimperlich sein!
In trachtarmer Zeit wird der Trog in eine Leerzarge auf die zurückgeschlagene Folie gegeben. Er ist in wenigen Tagen leer getragen. Wer es eilig hat, kann das Futter auch in eine unterzustellende Leerzarge geben; der höhere Aufwand wird durch das schnellere Leertragen kompensiert. Allerdings sind dafür nur starke Völker geeignet (Räubereigefahr!).
Verwerten
des Deckelwachses
Auch das Deckelwachs kann man mit der beschriebenen Methode „säubern“ lassen. Dazu gibt man kleinere Mengen in einen Futtertrog oder eine flache Kunststoffwanne, die in eine Zarge passt. Das Wachs wird in einer dünnen Schicht, etwa 0,5 bis 1,0 cm dick aufgeschüttet, so kann der Honig von den Bienen herausgezogen werden.
Größere Mengen kann man auch in Wasser auswaschen. Das Wachs muss hinterher getrocknet oder alsbald im Wachsschmelzer eingeschmolzen werden, sonst beginnt es nach wenigen Tagen zu schimmeln. Auch die Verwertung der Honiglösung muss zügig erfolgen, sonst geht sie in Gärung. Am besten, man erhöht die Konzentration durch eine Zuckerzugabe und verfüttert die Lösung umgehend.
Aus Futter wird Wachs,
gilt nicht!
Wer damit rechnet, den Futterverlust in den Altwaben beim Waben-Mittelwand-Umtausch ersetzt zu bekommen, irrt.
Richtig ist, dass für ausgeschnittene Altwaben üblicherweise 30 % des Altwachsgewichtes als Reinwachs vergütet werden. Bringt man allerdings Altwaben mit Futterkränzen, wird das Wachsgewicht geschätzt beziehungsweise anhand der Wabenzahl ermittelt und von 60 bis 80 g Wachsgehalt je Wabe ausgegangen. Das schwere Futtergewicht spielt zur Errechnung des Umtauschwertes also keine Rolle, da dieses für den Wachsverarbeiter wertlos ist.
Imkermeister Werner Gekeler
Sternbergstraße 14
72525 Münsingen
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