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Frage & Antwort
Wie hilft uns die Varroaforschung weiter?
 
„Eine biologische Bekämpfung der Milben ist erst möglich, wenn wir das Leben der Milbe genau kennen. Von Seiten der Wissenschaft vermisse ich aber die dazu notwendigen Untersuchungsergebnisse“, schrieb uns Rudolf Oettl aus Pfarrkirchen. Wir baten daher Dr. Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute, Oettls Fragen – soweit nach dem heutigen Stand der Wissenschaft möglich – zu beantworten.

Rudolf Oettl: Welche natürlichen Feinde hat die Milbe, und wie kann man deren Lebensbedingungen verbessern?
Dr. Peter Rosenkranz: Der größte „Feind“ der Varroamilbe ist wohl die Honigbiene selbst. Sie kann die Milben sowohl von anderen Bienen entfernen als auch befallene Brutzellen erkennen und ausräumen. Der Umfang dieses Putz- bzw. Hygieneverhaltens ist aber bei den Bienenarten und -rassen unterschiedlich ausgeprägt und reicht bei Apis mellifera nicht aus, um die Varroa-Population unter der Schadensschwelle zu halten.
Über andere Feinde oder Krankheitserreger, welche die Varroa-Milben im Bienenstock direkt schädigen, ist bisher erst wenig bekannt. Hierzu gibt es Untersuchungen in Deutschland (Hohen Neuendorf), in England und in den USA. Dabei wurden zwar virusähnliche Partikel aus Varroa-Milben isoliert, die jedoch eher von den Bienen stammen und von den Milben lediglich über die Nahrungsaufnahme transportiert werden. Aber selbst bei Milben-spezifischen Viren würde deren Einsatz zur biologischen Varroa-Bekämpfung im Bienenvolk äußerst bedenklich sein, da sich Viren rasch an neue Wirte anpassen können. Die Übertragung von Haustierviren auf den Menschen – wie z. B. bei der Vogelgrippe in Asien – ist ein abschreckendes Beispiel dafür.
In England wird derzeit der Einsatz krank machender Pilze untersucht, aber auch hier erscheint eine Anwendung in absehbarer Zeit nicht realistisch.

Rudolf Oettl: Wie viele Milben sind prozentual während der Brutperiode in der Brut und auf den Bienen?
Dr. Peter Rosenkranz: Unsere Untersuchungen mit isoliert aufgestellten (und unbehandelten) Bienenvölkern (Truppenübungsplatz) ergaben hierzu, dass sich im Frühjahr und Sommer 55 – 90 % der Varroa-Milben in den verdeckelten Brutzellen befinden. Die Drohnenbrut ist dabei durchschnittlich neunmal stärker befallen als die Arbeiterinnenbrut. Mit einer konsequenten Drohnenbrutentnahme können also bis zu 40 % der Milben im Frühjahr vernichtet werden!
Selbst im Spätsommer (August/September) ist immer noch über die Hälfte der Milben in der Brut zu finden. Bekämpfungsmaßnahmen, die ausschließlich auf die „Bienenmilben“ wirken, sind daher zu dieser Zeit wenig sinnvoll!

Rudolf Oettl: Sollte man sofort nach dem Abschleudern auffüttern oder erst im September? Wann habe ich weniger Milben?
Dr. Peter Rosenkranz: Die Zunahme der Varroa-Population nach der letzten Honigentnahme hängt vor allem vom Brutumfang und vom Bienenabgang ab. Falls man durch die frühe Auffütterung das Brutgeschäft einschränkt (was nicht immer der Fall ist!), würde die Varroa-Population langsamer wachsen. Viel wichtiger ist aber, dass man nur Völker auffüttert, die in der Lage sind, ausreichend gesunde Winterbienen zu produzieren. Das bedeutet, dass bei den Wirtschaftsvölkern vor der eigentlichen Auffütterung der Varroa-Befall so weit reduziert werden muss, dass die im Folgenden aufgezogenen Winterbienen keine Varroa-Schäden aufweisen.
Lediglich bei den Ablegern kann je nach Volksstärke mit der Erstbehandlung etwas länger gewartet werden.

Rudolf Oettl: Bienen werden mit jedem Flugloch fertig. Welche Größe, Form oder Anordnung ist für die Varroa ungünstig?
Dr. Peter Rosenkranz: Das Flugloch sollte groß genug sein, um einen intensiven Sammelflug und eine ausreichende Lüftung zu gewährleisten. Im Spätsommer sollte es unter Umständen verkleinert werden, um Räuberei zu vermeiden (diese hätte einen direkten Einfluss auf die Verbreitung der Varroa-Milbe). Ansonsten sind mir keine Untersuchungen bekannt, dass Form oder Größe des Flugloches einen messbaren Einfluss auf die Entwicklung der Varroa-Population haben.

Rudolf Oettl: Die Entnahme von Brutwaben Anfang Mai für Sammelableger entlastet das Volk vom Schwarmtrieb und von Varroa-Milben. Da aber starke Sammelableger in der Waldtracht sehr leistungsfähig sind, darf nicht behandelt werden! Das Volk hat erst nach vier Wochen wieder Brut. Wie hoch ist der natürliche Varroa-Abfall? Geht es vielleicht ohne Chemie, wenn man die Nachzucht so steuert, dass die brutfreie Zeit länger ist?
Dr. Peter Rosenkranz: Der Befall der Sammelbrutableger hängt davon ab, wie viele Brutwaben verwendet wurden und wie stark diese Völker befallen waren. Eine brutfreie Phase allein hat meist nicht den gewünschten Effekt. Abgeschwärmte Völker gleichen ihre brutfreie Phase wieder aus, indem sie länger in den Herbst hinein brüten (dies ist ja auch von Ablegern bekannt). Dadurch werden ähnlich viele Varroa-Milben „produziert“ wie ohne Brutstopp.
Letztendlich sollten Sammelbrutableger wie normale Wirtschaftsvölker behandelt werden. Besser ist es, zumindest einen Teil der Ableger frühzeitig als relativ kleine Einheit zu bilden und an isolierten Standorten aufzustellen. Im Gegensatz zu Sammelbrutablegern, die in der Waldtracht eingesetzt werden, ist der Eintrag von Varroa-Milben hier geringer, und die Völker können in Ruhe in den Herbst hinein wachsen.
Grundsätzlich empfehlen wir aber für alle Völker zumindest eine Spätsommerbehandlung (Ameisensäure, Thymol) sowie eine Winterbehandlung im brutfreien Zustand.

Fragen:
Rudolf Oettl
Wilhelm-Schiedermaier-Straße 37
84347 Pfarrkirchen
E-Mail: Rudolf.Oettl@t-online.de

Antworten:
Dr. Peter Rosenkranz
Landesanstalt für Bienenkunde
Universität Hohenheim
August-von-Hartmann-Straße 13
70593 Stuttgart
E-Mail: bienero@uni-hohenheim.de

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05.02.2012 00:24 Uhr
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