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Frage & Antwort |
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Helfen Walnuss-Blätter gegen die Varroa?
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Frage:
In einer Monatsversammlung haben wir in unserem Bienenzuchtverein lebhaft über das Für und Wider einer „natürlichen“ Varroabekämpfung diskutiert. Es ging darum, ob das ganzjährige Auflegen von Walnuss-Blättern auf die oberste Etage der Bienenvölker tatsächlich gegen die Varroa hilft. Da wir zu keinem abschließenden Ergebnis kamen, wüssten wir gerne, ob Walnuss-Blätter tatsächlich Stoffe enthalten, die auf die Milben wirken, wie hoch die Wirksamkeit eingeschätzt werden kann und wann optimale Behandlungszeiträume zum Neuauflegen sind. Weiterhin stellen sich für uns Fragen zur Bienenverträglichkeit und möglichen Rückständen im Wachs oder gar Honig.
Jürgen Biehl
Forsthausstraße 21, 66333 Völklingen
Bienenfarm@aol.com
Antwort: Die Blätter des Walussbaumes (Juglans regia L., Juglandaceae) enthalten den Wirkstoff Juglon (5-hydroxy-1,4-naphtoquinon), welcher in den frischen Blättern in Form des Glucosid 1,4,5-trihydroxynaphtalin (ca. 0,6 %) vorkommt. In freier Form ist es auch in der Wachsschicht auf der Blattoberhaut enthalten. Das Juglon hat antibakterielle und antifungizide Wirkung und ist oft mit anderen Naphthoquionen gemischt. Die Blätter enthalten hydrolasierbares Tannin und nur sehr wenig ätherische Öle, Vitamin C und Flavonoide. Der Wirkstoff Juglon wird (oder wurde) vor allem in der Humanmedizin gegen Venenprobleme und Hämorriden etc. verwendet.
Es gibt undokumentierte Versuche von Imkern, die gezeigt haben, dass die im Bienenvolk aufgelegten Blätter keine genügende Wirksamkeit aufweisen. Dies ist aus meiner Sicht nicht verwunderlich, da der Wirkstoff kein ätherisches Öl ist und beim Auflegen von Blättern ein ausreichend enger Kontakt zwischen Bienen und Wirkstoff mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann.
Ob die Duftstoffe dieser Blätter eine abstoßende Wirkung gegen die Milben aufweisen und dadurch einen Einfluss auf die Populationsentwicklung haben, wurde meines Wissens nie untersucht. Wie das nachfolgende Hanf-Beispiel zeigt, könnten solche Fragen von den Imkern selbst durch einen kleinen Vergleichsversuch, wo die Kontrollgruppe mit einer anerkannten Methode gegen die Varroa behandelt wird, selber beantwortet werden. Würde bei einem solchen Versuch eine Wirksamkeit gegen die Varroa tatsächlich gefunden, müssten anschließend durch ein Bieneninstitut die Fragen der Bienenverträglichkeit und der Rückstände geklärt werden, bevor man überhaupt ein solches Verfahren der Imkerschaft weiterempfehlen kann.
Selbstverständlich gibt es auch „natürliche“ Substanzen, die für den zu behandelnden Organismus schädlich bzw. beim Herstellungsprozess eines Lebensmittels ungeeignet sind. Auf jeden Fall muss auch hier der rechtliche Status einer solchen Behandlung berücksichtigt werden.
Am Zentrum für Bienenforschung in Liebefeld haben wir zusammen mit einem Imker diese Art von Varroabehandlung – das Auflegen von Pflanzenteilen auf die Beuten – mit Hanfpflanzen getestet.
Auch hier ist die Wirkung ausgeblieben (Schläfli, W., 2003, Könnte Hanf gegen Varroamilben eingesetzt werden? Schweizer Bienenzeitung 126 (5), Seite 9.) Das Gleiche gilt für den Wurmfarn. Alle diese Pflanzen mögen akarizide Wirkstoffe enthalten. Aus langjähriger Erfahrung mit pflanzlichen Wirkstoffen wissen wir jedoch, dass die Wirkstoffe in einer hohen Konzentration vorliegen müssen, um ihre Wirksamkeit gegen die Varroa entfalten zu können.
Bezüglich der in Imkerkreisen ebenfalls diskutierten Bekämpfung der Wachsmotten mit Walnussblättern dürfte die Situation insgesamt ähnlich zu beurteilen sein. Bei diesem Insekt könnten aber die Duftstoffe der Blätter eher eine abstoßende Wirkung entfalten, da die Wachsmotten bezüglich Geruchsorganen besser ausgerüstet sind als die Milben. Es sind mir aber keine Untersuchungen bekannt, die dazu eine Aussage machen.
Anton Imdorf
Agroscope Liebefeld-Posieux
Zentrum für Bienenforschung
CH-3003 Bern
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