|
|
 |
|
Frage & Antwort |
 |
|
Wie rein ist unser Bienenwachs?
|
|
|
|
Frage:
In dem Büchlein von Gerhard Schlammer „Natürliche Bienenhaltung – naturreiner Honig“ schreibt der Autor auf Seite 104: „Kaum bekannt ist, dass als rein verkauftes Bienenwachs längst nicht rein ist. Zum einen gibt es keine vorgeschriebenen Rückstandsuntersuchungen, zum anderen dürfen Firmen, die Bienenwachs für Mittelwände (zum Wabenbau), Kerzen, Modelle, Figuren verwenden, ganz offiziell Paraffin (Stearin) sowie chemische Trennmittel beimengen.“ Trifft dies tatsächlich zu? Ist das im Handel erhältliche Bienenwachs also gar nicht rein?
Martin Jung
Daxweiler
mart.jung@arcor.de
Antwort: Da Bienenwachs ein teures Naturprodukt ist, war es schon immer üblich, billigere Beimengungen einzuarbeiten. Auch heute noch werden hierzu Mineralölkohlenwasserstoffe (z. B. Paraffine, Mikrowachse und verschiedene Zwischenprodukte aus der chemischen Synthese von Erdölprodukten) sowie Triglyceride eingesetzt. Herr Schlammers Zitat ist jedoch nicht korrekt, wachsverarbeitende Betriebe können und dürfen nicht ein Bienenwachs durch Zumischung derartiger Beimischungen verfälschen und es dann als reines Bienenwachs bezeichnen. Außerdem sind Zusätze von solchen Mitteln mit den heutigen Analysenmethoden relativ leicht nachweisbar.
Leider hat jedoch Herr Schlammer nicht ganz unrecht. Da der Bedarf an Bienenwachs in Deutschland größer ist als die inländische Produktion, werden große Mengen aus dem Ausland importiert. China ist z. B. im Moment der größte Exporteur auf dem Weltmarkt. Bienenwachs aus China ist in den meisten Fällen mit geringen Mengen (bis zu 10 %) Mineralölkohlenwassserstoffen und in seltenen Fällen mit Triglyceriden verfälscht. Ähnliches gilt für Wachse aus Osteuropa, und in mexikanischem Wachs werden nicht selten Mikrowachse nachgewiesen.
Diese verfälschten Wachse sollten nur für technische Zwecke oder für Kerzen eingesetzt werden. Eine Verwendung für die Mittelwandproduktion wird vermieden, da seriöse wachsverarbeitende Betriebe u. a. in unserem Labor entsprechende Analysen durchführen lassen.
Zu den bei der Mittelwandherstellung nötigen Trennmitteln ist anzumerken, dass es sich hierbei um Tenside in sehr hoher Verdünnung oder Alkohollösungen handelt. Jeder, der seine Mittelwände selbst herstellt, weiß, dass mehrere Tropfen „Spüli“ pro Liter Wasser ausreichen, um die gegossene Mittelwand anschließend leicht aus der Gussform zu lösen. Bei den heute gebräuchlichen Silikonformen lässt sich die Menge weiter reduzieren.
Zieht man den Vergleich zum Geschirrspülen, so ist nicht anzunehmen, dass es hierdurch zu negativen Wirkungen kommt. Von einer „offiziellen Beimengung“ zu sprechen, erscheint unangemessen!
Hansjoachim Roth
Ceralyse – Chemisches Labor
Am Holzhof 54
29221 Celle
|
|
|
|